An was sollten Sie bei der Planung Ihrer sportlichen Aktivität denken?
- Zur Vermeidung von Unterzuckerungen empfiehlt sich die Insulinreduktion.
- Schnelle und etwas langsamere Kohlehydrate sollten in ausreichender Menge in Reichweite und jederzeit verfügbar sein.
- Blutzuckermessgerät und entsprechendes Zubehör gehören zwingend in die Ausrüstung, wenn es zum Sport geht. Bitte unbedingt vorher prüfen, ob genügend Messstreifen dabei sind.
- Insulin darf bei Tagesaktivitäten auf keinen Fall fehlen.
- Ein Handy als Notrufmöglichkeit sollte ebenfalls in der Nähe sein; ob Sie es bei sich tragen müssen, hängt von der Situation ab. (Machen Sie alleine im Gelände Sport oder sind Sie in einer Gruppe an einer Sportstätte aktiv?)
- Bei intensiven oder längeren Trainingsphasen: Für den Fall einer schweren Unterzuckerung darf die Glukagonspritze nicht fehlen. Einer der Anwesenden (Trainer oder Trainingspartner) sollte mit dem Umgang vertraut sein
Erwähnte Utensilien sollten immer in Ihrer Reichweite sein. Bei Langstreckendisziplinen (Marathon, Triathlon, Radrennen etc.) bieten sich im Wettkampf die fest eingerichteten Verpflegungsstationen an, an denen ein Betreuer Ihnen Ihre Sachen reicht.
Im Training sollten Sie Blutzuckermessgerät, Messstreifen und Insulin möglichst bei sich tragen. Bedenken Sie aber die richtige Lagerung, v. a. bei großer Hitze, Feuchtigkeit und Kälte.
Wie oft und wann sollte ich meinen Blutzucker kontrollieren?
- Vor der Aktivität
Unmittelbar vor dem Sport sollte der Wert zwischen 150 mg/dl und 180 mg/dl liegen. Diese Empfehlung gilt für körperliche Aktivitäten, bei denen keine Erfahrungswerte vorliegen. - Während der Aktivität
Empfohlen werden Messungen alle 30 bis 60 Minuten.
Begründung: In der Regel setzt nach 30-45 Minuten die Fettverbrennung ein; bis dahin stehen ausschließlich die Kohlehydrate zur Verfügung. Daher sollte in der ersten halben Stunde mit einer stärkeren Blutzuckersenkung gerechnet werden.
Für Kontrollen alle 60 Minuten sollten genügend Kenntnisse über den Verlauf des Blutzuckerspiegels bei der ausgeübten Aktivität vorliegen. - Nach der Aktivität
Nach Beendigung der körperlichen Aktivität müssen die Kohlehydratspeicher in den Muskeln wieder aufgefüllt werden. Daher kann es im Nachhinein noch zu Unterzuckerungen kommen. Dieser Auffülleffekt kann ca. 12 bis 24 Stunden andauern und richtet sich nach der verbrauchten Energie. Die Bedeutung des Auffülleffektes ist v. a. für die Nacht wichtig. Es kann sein, dass eine zusätzliche Spät-BE notwendig wird.
Wieso bekomme ich leichter Unterzuckerungen beim Sport?
Sobald die Muskulatur aktiviert wird, verbessert sich die Insulinempfindlichkeit. Das bedeutet, dass die Türen der Zellen durch das Insulin länger geöffnet werden. Es kann also mit der gleichen Menge Insulin mehr Zucker in die Zelle gelangen. Gleichzeit benötigen die Muskeln für die Mehrarbeit durch die körperliche Betätigung mehr Zucker, also mehr Energie.
Da etwa die erste halbe Stunde fast ausschließlich Zucker als Energielieferant zur Verfügung steht, kann es in Kombination mit der erhöhten Insulinempfindlichkeit nun recht schnell zu Unterzuckerungen kommen.
Schwierig kann es sein, dass Sie mögliche Unterzuckerungen bemerken. Dies liegt daran, dass die üblichen Anzeichen wie beispielsweise Schwitzen auch auf die körperliche Betätigung zurückzuführen sein könnten.
Weiterhin darf die Ablenkung nicht unterschätzt werden. Die Aufmerksamkeit ist auf die körperliche Betätigung gelenkt. Dabei gerät ein Anzeichen für niedrige Blutzuckerwerte schnell ins Hintertreffen. Diese beiden Gründe für die schlechtere Wahrnehmung von Unterzuckerungen machen zusätzliche Blutzucker-Messungen nötig.
Wieso kann mein Blutzucker bei Sport und Bewegung ansteigen?
In der Regel sinkt der Blutzucker bei körperlicher Aktivität. Aber auch ein Blutzuckeranstieg kann möglich sein. Dies kann folgende Gründe haben:
- Insulinmangel
Für die Bewegung wurde Insulin reduziert. Tatsächlich entsprach die Belastung aber nicht dem, was Sie vorher angenommen hatten. In diesem Fall ist Insulinmangel die Ursache für den erhöhten Blutzuckerwert.
Für Typ 1-Diabetiker gilt:
Vorsicht ist geboten, wenn der Ausgangswert vor Beginn der sportlichen Aktivität schon sehr hoch ist. (> 240 mg/dl)
Sportverbot gilt bei positivem Ketontest!
Generell gilt:
Je höher der Ausgangswert desto schwieriger ist es, diesen mit Bewegung zu senken. - Sportliche Bewegung im Sauerstoffmangel
Ist die Intensität der körperlichen Aktivität so hoch, dass es bereits schwerfällt, diese über einen längeren Zeitraum durchzuhalten, dann wird aus den Kohlehydraten die Energie für die Aktivität ohne Sauerstoff gewonnen. Dabei wird vermehrt Leberzucker ausgeschüttet.
Beispiele für körperliche Aktivität im Sauerstoffmangel:
Sprintsituationen (Fußball, Tennis, Handball, Squash etc.), Anstiege beim Radfahren und alpines Wandern. - Ausschüttung von Stresshormonen
Zum Beispiel in Wettkampfsituationen, beim Radfahren im Straßenverkehr, Downhill-Mountainbike, Skifahren (situationsabhängig), Canyoning etc.
Wieviel Insulin sollte ich bei welchen Sportarten reduzieren?
Die Insulinreduktion ist maßgeblich von drei Faktoren bestimmt:
- Insulinwirkung
Beginnt die körperliche Betätigung über eine Stunde nachdem die Wirkung des Mahlzeiteninsulins beendet ist, kommt eine Insulinreduktion nicht in Frage. Innerhalb der Wirkzeit des Insulins gilt: Je mehr Insulin wirkt, desto mehr sollte reduziert werden. - Intensität der körperlichen Aktivität
Für die Festlegung der Intensität sollten folgende Überlegungen angestellt werden:
- Art der körperlichen Aktivität
Welche Muskeln brauche ich für mein Vorhaben? Je mehr Muskeln aktiviert werden, desto größer ist der Energieverbrauch und resultierend daraus sollte auch die Insulinreduktion größer ausfallen.
- Dauer der Betätigung
Für kurzweilige Betätigungen wird von einer Insulinreduktion abgeraten. Ansonsten ist die Dauer in Bezug auf die Insulinreduktion nicht relevant.
- Stärke der körperlichen Aktivität
Damit wird berücksichtigt wieviel in der angestrebten Zeit geleistet wird. Beispielsweise Steigungen, Tempo, Kraftanstrengung etc. Je gewohnter die Betätigung ist, desto geringer sollte die Insulinreduktion sein. - Ausgangsblutzucker
Je höher der Ausgangsblutzucker ist, desto weniger Insulin darf reduziert werden. Je niedriger der Ausgangsblutzucker ist, desto mehr Insulin sollte reduziert werden.
Ein Beispiel:
BZ < 80 mg/dl => - 50 %
80 < BZ < 100mg/dl => - 40 %
100 < BZ < 130mg/dl => - 30 %
130 < BZ < 160mg/dl => - 20 %
160 < BZ < 180mg/dl => - 10 %
BZ > 180 mg/dl => keine Reduktion
Sobald eigene Erfahrungswerte vorliegen, sollten diese unbedingt berücksichtigt werden.


